Ivo Mayr

Reichweite

Arme oder Beine ragen aus der Wand oder dem Boden, um nach Gegenständen zu greifen oder danach zu treten. Ein Arm langt nach einem Hamburger. Ein
anderer nach einem Telefon. Ein mit Stutzen und Stollenschuhen bekleidetes Bein tritt nach einem Fußball. Im Grunde vertraute Situationen, jedoch herausgelöst aus ihrem Kontext: Zwischen Person und Handlung liegt eine Barriere, eine Wand, eine Tür, der Fußboden. Die Person als Individuum tritt hinter der Handlung zurück. Diese Reduktion schafft eine absurde Situation, die beim Betrachter
Irritation, Verwirrung oder Verwunderung auslöst: Wer macht was, und warum? Der Raum wird aufgehoben, Grenzen überschritten. Verstärkt wird der Effekt durch die Zusammenstellung der Serie – kann im Falle des Einzelbildes noch der Bezug zur alltäglichen Situation hergestellt werden (das Abheben des Telefonhörers, Fußball spielen), so wird durch die scheinbar willkürliche Zusammenstellung eine solche Bezugnahme aufgelöst. Was bleibt, ist die Handlung als solche: Der Griff, der Tritt, die Reichweite im eigentlichen Sinne. Kann das Objekt der
Begierde erreicht werden? Und wenn, was dann? Scheinbar können die Arme oder Beine Wände durchbrechen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Gegenstände bleiben unerreichbar, im entscheidenden Moment ist dort eine unüberwindbare Sperre, allein weil die Person dahinter nicht weggedacht werden kann. Denn: Was ist eine Handlung ohne den Handelnden?